Tabu?Menstruation.Tanz!

Künstlerische Recherche zum Menstruationstabu – 2022

Laut einer Studie spricht heute immer noch nur eine von fünf Frauen über ihre Menstruation. Ist Menstruation noch immer ein Tabu? Noch bis in die 1950iger Jahre galt beispielsweise das nährstoffreiche Menstruationsblut als giftig und weltweit benachteiligt bis heute die Periode Frauen in vielen Bereichen wie z.B. Bildung und Ökonomie – mit Kosten von bis zu 20500 € in vierzig Jahren. Wenn bei der monatlich wiederkehrenden körperlichen Erscheinung wie der Periode in Deutschland nur 5 % der Mädchen positive Gefühle wie Freude oder Stolz empfinden und Schamgefühle bzw. Verheimlichungspraktiken die Regel sind, ist das Ausdruck eines vorhandenen Tabus. Gerade weil die Periode langjähriger Bestandteil eines Körpers mit Eierstöcken und Uterus ist, möchte ich in der Recherche nach künstlerischen Darstellungsformen suchen, die einen positiv besetzten besetzten Zugang zu diesem Thema schaffen und eine Ästhetik finden, die zu Bodypositivity und Vielschichtigkeit einlädt. Weibliche Körper waren und sind der Gewalt ausgesetzt, diesem Körper wird per Gesetz die Selbstbestimmung genommen, wie ist das in unsere Körper eingeschrieben und wirkt sich das auf die Menstruation aus? Welche historischen Bedingungen haben sich in unsere Großmütter und Mütter eingeschrieben und wirken transgenerational in unseren Körpern weiter? Das Einbeziehen medizinischer, historischer und struktureller Bedingungen in die somatische Forschung ist wichtig, damit die Einschreibungen gesellschaftlicher und historischer Bedingungen in heutige Körper aufgedeckt werden können und beim Wahrnehmen zellulärer Strukturen differenziert werden können. In diesem Sinne nutzt die Recherche Body-Mind Centering® (BMC), um Zugang zum eigenen Körper, zur eigenen Anatomie und Physiologie zu finden und das Menstruationstabu zu lüften. Die Recherche ist auf der Suche nach einer somatischen Ästhetik, die sich die Frage stellt, wie sich eine Wieder-Aneignungspraxis für Körper mit Uterus, Vagina und Eierstöcken sich in dieser Vielschichtigkeit darstellen lässt.

Die Recherche wurde realisiert von Heike Kuhlmann

Performance und Film entstanden in Kollaboration mit Jennie Zimmermann und Finnja Willner

Filmschnitt Finnja Willner

Die Recherche zum Menstruationstabu im Tanz ist „gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von 

NEUSTART KULTUR.“

Uterus, Zeichnung © Heike Kuhlmann