Am 27.1.2025 jährt sich die Befreiung von Ausschwitz zum 80. Mal. Am 23.2.2025 werden die nächsten Bundestagswahlen abgehalten. Die Aussichten, dass wir von einem Kanzler Merz regiert werden, der das Grundgesetz als nicht mehr wichtig zu befinden scheint, sind hoch. Seine Abgrenzung zur AFD ist nach nur wenigen Wochen Geschichte. Die Koalitionsverhandlung der faschistischen FPÖ unter Kickl und der Amtsantritt von Trump scheinen den faschistischen Stimmen Kraft zu geben. Das zeigt sich beispielsweis darin, wie die AFD sich nun unverblümt traut, von Remigration zu sprechen. Alice Weidel darf jetzt ihren Hass und ihre Hetze ungehindert in die Welt schreien.
#Niewiederfaschismus – es braucht meine, deine, unsere Haltung gegen Faschismus, Rassismus und Sexismus!
Viele Menschen im somatischen und Bewegungsfeld sehen sich nicht als politisch und wollen mit Politik wenig zu tun haben, oder aber sie sehen ihre Arbeit bereits als politisch an und beziehen keine Stellung. Ich möchte dazu aufrufen, gerade jetzt einzutreten und aktiv zu werden, für eine Welt mit sozialer und ökologischer Gerechtigkeit, in der Klimaschutz auch bedeutet solidarisch zu sein und eine Welt, die Menschenleben schützt.
Gerade mit den sich teilweise überschlagenden Ereignissen ist es überfordernd, mit allen Zellen und allen Sinnen dabei zu bleiben und sich Zeit zu nehmen, die Ereignisse einzuordnen und sich eine Meinung zu bilden. Es ist verlockend und ein wichtiger Selbstschutz, nachrichtenabstinent zu sein. Nur gerade jetzt bringt ein solches Verhalten, denjenigen mehr Macht, denen Menschenleben und der Planet nicht wichtig sind.
Leider leben wir nicht nur in einer Erlebnisgesellschaft, sondern auch in einer Ereignis- und Eventgesellschaft. Es passiert zu viel, als dass es alles verarbeitet und einsortiert werden kann. Bewegung reduziert sich auf die Aufgabe, den Körper funktional und gesund zu erhalten, sich auspowern oder sich zu entspannen. Den spürenden Leib dein zu Hause zu nennen, heißt deine ganzen Körperempfindungen zu erleben, die angenehmen und die unangenehmen. Es heißt auch, dich auseinanderzusetzen mit dem, was du spürst und erlebst. Sich weiterhin zu spüren; die Trauer, den Schmerz, die Wut, die Hilflosigkeit, die Erschöpfung, den Panzer, vielleicht auch das Eingefrorensein, ist Arbeit. Ebenso heißt es, nicht nur dich selbst zu betrachten, sondern auch mit einzubeziehen, dass Menschsein schon immer auch eine soziale Angelegenheit war und ist. Das Menschlichsein auch Konfrontation ist, mit schönen wie mit anstrengenden und unangenehmen Momenten. Das Menschsein auch heißt, andere zu unterstützen in schwierigen Momenten oder unterstützt zu werden, wenn es einem nicht gut geht.
Gerade jetzt ist Haltung zeigen und Stellung beziehen von großer Bedeutung, weil es sonst zu spät sein kann. Es hat mich berührt, als eine ganz junge Sprecher*in beim F.L.I.N.T.A.-March am 19.01. sagte: Tu es, auch wenn du Angst hast.
Hier kann Bewegung und Somatik unterstützen- darin, dich zu spüren und handlungsfähig zu werden, auch wenn es Angst macht und schwierig ist.
Gestärkt hat mich z.B. der Ausflug nach Riesa zu den Gegenprotesten gegen den AFD-Parteitag. 15.000 Menschen sind zusammengekommen, um sich dem aufsteigenden Faschismus entgegenzustellen. Das hat so gutgetan. Natürlich war es auch sehr anstrengend. Es hieß, mitten in der Nacht aufzustehen, um dort in der Frühe zu sein. Es hieß, den Tag in der Kälte und auf der Straße zu verbringen und abends spät wiederzukommen. Aber mir half es, meine Angst in Kraft zu verwandeln und auch zu wissen, ich bin nicht allein. Sich der Angst zu stellen und sich nicht von ihr lähmen zu lassen, sie nicht wegzuschieben, sie nicht zu einer tauben Stelle im Körper werden zu lassen. Ich teile das mit dir, weil es in der Arbeit mit dem Körper viel darum geht, alles wahrzunehmen, was in dir ist. Dabei auch wahrzunehmen, welche Verhaltensmuster dich prägen.
In unserer Gesellschaft arbeiten wir sehr viel mit Verdrängung und Ablenkung. Verdrängung heißt in unserem System Körper auch, das wir Themen nicht in uns integrieren können, sondern dass sie irgendwo verstaut werden. Vielleicht bleiben sie als taube Stelle zurück oder hindern uns daran, adäquat auf eine Situation zu reagieren. Das macht die Arbeit manchmal anstrengend und zeitaufwendig. Zugleich ist und bleibt es eine Arbeit, die dich mehr über dich erfahren lässt und dir Möglichkeiten eröffnet, dich zu verändern. Somatische Arbeit ist damit eine Arbeit, die dich ganz mit dir in Kontakt bringt, die deine Gefühle braucht und deine Reflektionen.
Wenn ich jetzt wieder zurückkehre zum Anfang so jährt sich die Befreiung von Auschwitz zum 80. Mal. Viele junge Menschen wissen nicht mehr viel über den Holocaust und dann gibt es auch diejenigen, die Fakenews folgen oder andere, die denken, das betrifft mich doch nicht. Aber genau das ist die Gefahr.
#Niewiederfaschismus
Die Berichterstattung der Presse wie z.B. von Riesa, trägt zu gesellschaftlichen Stimmungen bei. Auch diese Berichterstattungen begründen sich auf ethisch-moralische Haltungen. Wir brauchen Auseinandersetzungen über diese ethisch-moralischen Grundlagen und wir können uns auch zusammentun und uns die Frage stellen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen?
Auch das ist für mich Teil von Bewegung, Tanz und von Somatik – das Schaffen von Räumen, in denen wir uns spüren und in denen wir uns ausdrücken dürfen, aber auch in denen wir zusammenkommen können, für das Entwickeln von neuen Gesellschaftsbildern und Utopien.
Dafür haben wir auch die Veranstaltungsreihe vom AKS entwickelt: Kritische Somatik, zu der ich euch wieder einladen möchte- live oder online. Die nächste findet am 2.2.25 um 18 Uhr zum Thema Klasse statt.
Da jeder somatischen Arbeit ein ethisch moralisches Verständnis zu Grunde liegt, möchte ich, dass ihr wisst, auf welchem Verständnis meine Arbeit beruht und für welche Haltung ich mich gerade jetzt einsetze. Ich möchte, dass ihr wisst, was auch Teil ist von dem, was ich vermittle und worum es auch in Klassen, Workshops und Ausbildungen geht. Ich freue mich, wenn wir uns weiterhin in der Praxis sehen und zusammenkommen und forschen, aber auch, wenn du meine Arbeit schätzt, sie mit anderen teilst.

