Gestern hat sich das Ende des zweiten Weltkrieges zum 80. Mal gejährt.
Was bedeuten 80 Jahre Befreiung vom Faschismus?
Viel Arbeit!
In unseren Körpern stecken Erinnerungen der Traumata unserer Eltern- und Großelterngenerationen, Traumata, die transgenerational übertragen wurden oder durch fortgeführte Erziehungsstile oder autoritäre and starre Gesellschaftsstrukturen erhalten und erneuert wurden. Wir erleben weltweit einen erstarkenden Autoritarismus und Faschismus- patriarchale und aggressive Verhaltensmuster erscheinen wieder `in´. Die propagierten Lösungen sind Rückschritte in Altes, statt mit Vertrauen gemeinsam und solidarisch in die ungewisse Zukunft zu treten und Lösungen für die Klimakatastrophe zu finden, die bereits so alltäglich ist, dass sie in deutschen Medien kaum noch Aufmerksamkeit findet.
Diese kollektiven Verhaltensweisen können Ausdruck von kollektiv in uns verankerten Traumata sein. Diese kann mensch nicht individuell lösen, sondern es braucht auch eine kollektive Aufarbeitung dafür. In manchen (spirituellen) Kreisen wird darüber viel gesprochen, doch inwieweit strukturelle Bedingungen und kapitalistische Machtdynamiken auch mit in die Analyse einbezogen werden, kann ich nicht sagen. Ich finde diese Einbeziehung notwendig, wenn es um Trauma und insbesondere um kollektive Traumata angeht.
Somatik ist ein Tool, um alles zu spüren, das Schmerzhafte und das Freudige. Es soll darin unterstützen, zu lernen, alle menschlichen Gefühls- und Empfindungsregungen spüren und fühlen zu können und mit ihnen handlungsfähig zu bleiben und nicht im Erstarren, Verstecken oder Verdrängen zu landen. Somatik schafft Raum und Möglichkeiten, Traumata aufzulösen und mehr in Kontakt mit sich zu bleiben – auch in schwierigen Situationen. Es ist aber kein Allheilmittel. Zum Beispiel bekämpft es nicht Faschist*innen oder autoritäre Regime.
In Social Media treffen wir zudem andere Sichtweisen auf Somatik an. Somatik wird zu einem Tool der körperlichen Optimierung. Fit für die weitere Ausbeutung und kontinuierliche Menschenverachtung.
Es erscheint mir also bedeutsam für die erstgenannte Sichtweise auf Somatik, die Stimme zu erheben, und damit auch für eine Somatik zu sprechen, die sich einsetzt für unsere Menschlichkeit in der Unterschiedlichkeit und Diversität.
Gleichzeitig soll Somatik darin unterstützen, stabil zu bleiben in Zeiten größtmöglicher Instabilität und Unsicherheit.
Wie finde ich Stabilität in der Unsicherheit?
Was gibt mir in mir Stabilität, ohne zu erstarren?
Wie kann ich den Mut behalten und nicht Angst vor kommender Repression, meine Meinungsfreiheit bereits in vorauseilendem Gehorsam einzuschränken.
Wie kann ich den Mut behalten weiterhin aufzustehen gegen gesellschaftlichen Hass, gegen den wachsenden Faschismus, Rassismus und Sexismus und für ein solidarisches Miteinander und Fürsorge/Care!
Was also brauchst du dafür?
Worin kann ich dich unterstützen? – Lust auf Einzelarbeit?
Und noch eine Empfehlung anderer Art für einen Kinofilm, für einen so berührenden und so wichtigen Film: Für immer hier (Ainda estou aqui). Ein Film handelt von der brasilianische Militärdiktatur! Nicht verpassen! Noch läuft er in den Kinos.

